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Das 5. Ravensbrücker Generationenforum
fand vom 21. bis 24.
August 2009 in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück
stattfinden.
Von Freitag, den 21. August bis Montag, den 24. August 2009, fand
in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück
das »Ravensbrücker Generationenforum« statt, bei dem rund
40 Jugendliche aus Deutschland und den Niederlanden mit
Überlebenden des Frauen-KZ Ravensbrück zusammenkamen. Das
Generationenforum wurde zum 5. Mal von der Dr. Hildegard
Hansche Stiftung und der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
veranstaltet. Unter dem Titel »Die Zukunft der Erinnerung«
standen intensive Gespräche der Jugendlichen mit Überlebenden auf
dem Programm, die als Kinder oder Jugendliche im KZ Ravensbrück
inhaftiert waren. Die Psychologin Batsheva Dagan (Jahrgang
1925) aus Israel, die Psychoanalytikerin Dr. Margit Rustow
(Jahrgang 1925) aus den USA, Dr. Eva Bäckerova (Jahrgang
1940) und Professor Peter Havas (1935) aus
der Slowakischen Republik sowie Galina Gisbrecht (Jahrgang
1939) aus Weißrussland standen den Jugendlichen Rede und Antwort.
Frau Dagan wurde von ihrem Enkel Yanif und Frau Gisbrecht von
ihrer Tochter begleitet. Aus gesundheitlichen Gründen musste die
niederländische Überlebende Mieke van den Burger-Steensma
absagen, deren Tochter, Schwiegersohn und Enkel aber teilnahmen.
Die Überlebenden und die Jugendlichen hatten in dem viertägigen
Programm Gelegenheit zu intensiven Begegnungen und Gesprächen, die
von einer Arbeitsgruppe auf der Website der Gedenkstätte
dokumentiert werden. Gemeinsam überlegten sie, wie sie die
»Zukunft der Erinnerung« gestalten wollen. Darüber hinaus gab
es thematische Angebote für die TeilnehmerInnen, die die
Geschehnisse am Ort des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers
Ravensbrück aus verschiedenen Blickwinkeln näher beleuchteten,
unter anderem zu den Themen »Kinder in Ravensbrück«,
»Aufseherinnen« und »Fürstenberg und das KZ«. Sie sahen
den Film »Was bleibt« (D 2008) und diskutierten mit der
Filmemacherin Gesa Knolle. Nach dem Programm in Ravensbrück
verbrachten die niederländischen TeilnehmerInnen und acht
PreisträgerInnen des Geschichtswettbewerbs des
Bundespräsidenten sowie die Überlebenden noch zwei Tage
gemeinsam in Berlin. Sie besuchten das Bundespräsidialamt
und das Schloss Bellevue, wo sie mit
Mitarbeiterinnen des Bundespräsidenten über ihre Eindrücke vom
Generationenforum sprachen und im Bundestag von dem Präsidenten
des Landesverbands Berlin-Brandenburg des Deutschen
Jugendherbergswerks, Steffen Reiche (MdB), begrüßt wurden.
Das diesjährige Generationenforum wurde von der Dr.
Hildegard Hansche Stiftung finanziert und von der
Körber-Stiftung, der
Stiftung »Erinnerung,
Verantwortung, Zukunft«,
dem Landesverband Berlin-Brandenburg des
Deutschen Jugendherbergswerks sowie der niederländischen
Gedenkstätte Herinneringscentrum Kamp Westerbork
unterstützt.
Kurzporträts
der beteiligten Überlebenden
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Eva Bäckerova,
wurde 1940 als Eva
Herskovits
geboren.Mit ihrer Schwester Magdalena Herskovits
(1941-1945) und ihren Eltern und Grosseltern lebte sie in
Kezmarok, einer kleinen Stadt in der Hohen Tatra in der
Slowakei. Die Großeltern wurden in Mai 1942 nach Polen
deportiert und sind wahrscheinlich in Sobibor ermordet
worden. Familie Herskovits lebte zu diesem Zeitpunkt
bereits in einem Versteck in der Hohen Tatra. Eva war bei
einer Familie untergebracht und die Eltern hielten sich
mit der kleinen Magda an einem anderen Ort versteckt. Etwa
im September 1944 haben die Eltern Eva zu sich ins
Versteck geholt. Am 6. Dezember 1944 denunzierte eine Frau
die untergetauchte Familie, die von der Gestapo verhaftet
und nach Kezmarok ins Gefängnis gebracht wurde.
Der Vater wurde
nach Mauthausen verschleppt, wo er starb; die Mutter und
die zwei Töchter - damals drei und vier Jahre alt -
wurden am 13. Dezember nach Ravensbrück deportiert.
Tochter
Magdalena starb
in Ravensbrück. Am 9. März 1945 wurde Eva zusammen mit
ihrer Mutter nach Bergen-Belsen gebracht, wo beide die
Befreiung erlebten. 2007 nahm sie erstmals am 3.
Ravensbrücker Generationenforum teil.
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Batsheva Dagan
wurde 1925 als
Isabella Rubinstein
in der Stadt Łodź in Polen geboren. Ihre Familie
war jüdisch und sie hatte acht Geschwister. Als die Nazis
Polen besetzten, floh sie mit ihren Eltern und zwei
Schwestern nach Radom. Dort errichteten die Deutschen 1941
ein Ghetto für die jüdische Bevölkerung, in dem auch ein
Teil der Familie Rubinstein eingesperrt wurde. Batshevas
älteren Brüdern und einer Schwester gelang es nach
Russland zu fliehen. Ihre jüngste Schwester wurde
erschossen, als sie versuchte aus dem Ghetto zu entkommen.
Bei der Räumung des Radomer Ghettos 1942 wurden Batshevas
Eltern und die ältere Schwester in das Vernichtungslager
Treblinka gebracht und dort ermordet. Sie selbst entkam
der Deportation mit gefälschten Papieren, auf denen sie
nicht jüdisch, sondern »arisch« war. Zwangsverpflichtet
gelangte sie als Dienstmädchen in das Haus einer
nationalsozialistischen Familie im mecklenburgischen
Schwerin. Nachdem irgendwer sie dort verraten hatte, wurde
sie von der Gestapo verhaftet und nach Aufenthalten in
mehreren Haftanstalten im Mai 1943 nach Auschwitz-Birkenau
deportiert. Zu diesem Zeitpunkt war sie gerade 18 Jahre
alt. 20 Monate lang musste sie in Auschwitz hart arbeiten
und mit ansehen, wie Tausende von Frauen, Männern und
Kindern in den Gaskammern umgebracht wurden.
Als sich im Januar 1945 die russische Armee Auschwitz
näherte, wurde Batsheva zusammen mit Tausenden von
Häftlingen auf einen Todesmarsch Richtung Westen
getrieben. Drei Tage und drei Nächte musste sie laufen,
bis sie schließlich mit anderen Häftlingen auf Viehwaggons
geladen und nach Ravensbrück gebracht wurde. Von
Ravensbrück aus brachte man sie schon bald ins Außenlager
Malchow. Ende April 1945 wurde sie von dort wieder mit
einer Gruppe Frauen zu Fuß weitergetrieben, bis sie
schließlich am 2. Mai 1945 bei der Stadt Lübz von
britischen Soldaten befreit wurde. Nach ihrer Befreiung
ging Batsheva zuerst nach Belgien, vier Monate später nach
Palästina. In Israel hat sie geheiratet und zwei Söhne
bekommen. Inzwischen ist sie Großmutter von 10 Enkeln.
Sie ist die Einzige, die von ihrer Familie unter deutscher
Besatzung überlebt hat. Batsheva ist seit dem 1.
Ravensbrücker Generationenforum (2005) dabei.
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Peter Havas
(Jahrgang 1935) stammt aus der Slowakei und wurde im
November 1944 zusammen mit seinem
Großvater Eugen Heuberger (1884-1965) und seiner Mutter
Lilly (1911-2002)
in das KZ Ravensbrück deportiert.
Im Zuge der Auflösung des Lagers wurde Peter Havas im
April 1945 in das KZ-Außenlager Wöbbelin bei Ludwigslust
verlegt. Am 2. Mai 1945 wurden die Häftlinge dort von
Einheiten der US-Armee befreit. 2007 nahm er erstmals am
3. Ravensbrücker Generationenforum teil.
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Galina Gisbrecht
wurde am 1939 als Galina Kabanova als jüngstes von
vier Geschwistern in der Nähe von Witebsk in Weißrussland
geboren. Ihr Vater und zwei ihrer Brüder kämpften bei den
Partisanen. Sie wurden von
deutschen Soldaten im Zuge einer Vergeltungsaktion
erschossen. Der älteste Bruder kämpfte in der Roten Armee.
Galina wurde mit ihrer Mutter im September 1943 nach
Auschwitz verschleppt, weil sie Angehörige von Partisanen
waren. Als
vierjähriges Mädchen wurde ihr die Nummer 61522
eintätowiert.
Im Dezember 1943 starb die Mutter in Auschwitz
und Galina blieb ganz allein im Lager zurück. Bei
der Evakuierung des Lagers wurde Galina mit zehn anderen
Kindern von Kommandeuren der Roten Armee und Partisanen
nach Ravensbrück gebracht, wo sie im Januar 1945 ankamen.
Hier nahmen sich sowjetische kriegsgefangene Frauen der
Kinder an. Galina fand eine Lagermutter, Maria
Petruschina, die sich auch nach der Befreiung um sie
kümmerte und sie adoptierte. Die gesundheitlichen Folgen
der Inhaftierung in Auschwitz und Ravensbrück - eine
Knochen- und eine Lungentuberkulose - konnten erst 1952
nach langwieriger Behandlung geheilt werden.
Ihren ältesten Bruder, der den Krieg ebenfalls überlebte,
fand Galina 1956 nur durch einen Zufall wieder. Galina
Gisbrecht lebt jetzt in der Stadt Borisow im Minsker
Bezirk in Weißrussland.1995, zum 50 Jahrestag der
Befreiung kam sie zum ersten Mal wieder nach Ravensbrück,
um am Treffen der überlebenden Kinder teilzunehmen. 2008
nahm sie erstmals am 4. Ravensbrücker Generationenforum
teil und berichtete den Teilnehmern über ihre Erlebnisse
und Erfahrungen. Hier wurde auch ein Videointerview mit
ihr aufgenommen.
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Margrit Rustow
wurde 1925 in Frankfurt/Main als
Margrit (Marguerite) Wreschner geboren. Sie wuchs mit
ihrer Schwester Charlotte in einer orthodoxen jüdischen
Mittelklasse-Familie auf. Die Eltern waren bei ihrer
Eheschließung schon älter und waren bereits vorher mit
anderen Partnern verheiratet gewesen. Margrit hat aus
beiden Ehen Halbbrüder und -schwestern. Ihr Vater ist
Kaufmann in einer Im- und Export-Firma, in deren
Geschäftsführung er bald Partner wird. In Margrits
Erziehung spielen Bildung und die Hilfe für Arme und
gesellschaftlich Schwächere eine große Bedeutung. Als
Neunjährige zieht Margrit mit ihren Eltern und ihrer
Schwester Charlotte aus Frankfurt nach Amsterdam, wo ihr
Vater schon bald verstirbt. Einigen Familienmitgliedern
gelingt noch die Flucht in die USA und nach Kanada.
Margrit, ihre Schwester Charlotte und ihre Mutter
Friederike (geb. Klaber, * 15. August 1888 in Ödenburg /
Sopron) bleiben mit der Familie eines Bruders zurück. 1940
werden die Niederlande von den Deutschen besetzt. Am 25.
November 1943 werden Margrit, Charlotte und ihre Mutter
nach einer kurzen Zeit in einem Versteck festgenommen und
sie werden in das »Durchgangslager« Westerbork gebracht.
Am 5. Februar 1944 verlassen sie mit einem Transport die
Niederlande - Richtung Ravensbrück. Hier musste Margrit
Zwangsarbeit im »Siemenslager« leisten. In Ravensbrück
stirbt Mutter Friederike Wreschner am 8. Januar 1945. Ihre
Töchter werden kurze Zeit später in das Getto
Theresienstadt deportiert. Nach ihrer Befreiung im Mai
1945 schlagen sich Margrit und Charlotte erst nach Prag
und dann nach Amsterdam durch. Da sie wegen der
ungarischen Herkunft ihrer Mutter von den deutschen
Besatzern auch als ungarische Juden gesehen wurden, hatten
die Deutschen ihre Wohnung nach der Deportation nicht leer
geräumt - als sie hineintraten, fanden sie noch den
gedeckten Frühstückstisch vor, wie sie ihn Monate vorher
verlassen hatten. Bald ist das Haus ein Anlauf- und
Treffpunkt für Angehörige und Freunde die aus den Lagern
der Deutschen zurückkehren. 1945 erhält Margrit Stipendium
für ein Studium in der Schweiz. Danach arbeitet sie mit
jüdischen Kriegswaisen, die selber im Versteck oder die
Zeit im Lager überlebt haben, deren Eltern aber nicht
zurückkehrten. Zwei Jahre später zog Margrit mit Charlotte
zu einer weiteren Schwester in die USA.
Sie arbeitet weiter mit Kindern, abends studiert
sie. Als Israel gegründet wird, beschließen Margrit und
Charlotte, dorthin zu gehen, Margrit kehrt aber
schließlich zurück nach New York, um ihr Studium
fortzusetzen. Charlotte bleibt in Israel und wird später
Vize-Bürgermeisterin von Jerusalem. Margrit kommt in ihrer
Arbeit mit Kindern mit der Psychoanalyse in Berührung -
sie wird selber Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin.
Margrit Wreschner heiratet den Soziologen Dankwart Rustow
und unterstützt ihn bei der Erziehung seiner Kinder. Heute
arbeitet sie für das »NGO Committee on Mental Health«
zu »Refugees,
Immigrants and Mental Health«. Für
Margrit Rustow ist das 5. Ravensbrücker Generationenforum
das erste, an dem sie teilnimmt.
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Mehr Informationen finden Sie auf der
Website der
Gedenkstätte Ravensbrück...
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