Ravensbrücker
Generationenforum


Mit dem „Ravensbrücker Generationenforum“ ermöglicht die Stiftung seit 2005 Jugendlichen und jungen Erwachsenen am historischen Ort des ehemaligen Frauen-KZ eine mehrtägige Begegnung mit drei bis fünf Ravensbrück-Überlebenden aus verschiedenen Ländern. Jährlich kommen 35 bis 40 junge Menschen zwischen 13 und 26 Jahren, vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus anderen europäischen Ländern, wie z.B. Polen, der Slowakei, der Tschechischen Republik oder den Niederlanden, in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zusammen.

 

Zeitzeugengespräche und Gemeinschaft erfahren

Anders als bei klassischen Zeitzeugengesprächen verbringen rund 50 Personen aus verschiedenen Generationen vier Tage zusammen, während derer viele Möglichkeiten von Begegnung und Austausch entstehen: sei es Mahlzeiten zusammen einzunehmen oder über einen gemeinsam gesehenen Spielfilm zu diskutieren; sei es ein Gespräch zum Thema Rachegefühle damals und heute aufzuzeichnen oder eine Bootsfahrt in der Mecklenburger Seenlandschaft zu erleben; sei es ein KZ-Gedicht zu vertonen oder aber am Abend nach dem Grillen Widerstandslieder zu singen. Dies bietet eine außerordentliche Gelegenheit, Überlebende als Menschen kennenzulernen, die nicht nur bereitwillig Auskunft über ihre Lebenserfahrungen geben, sondern auch an der Lebenswirklichkeit und den Meinungen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen interessiert sind.

 

Forschen und Debattieren

Viele Teilnehmende wollen auch die Gedenkstätte intensiver kennenlernen und mehr über einzelne Aspekte des Lagerlebens erfahren. Deshalb enthält das Programm optionale Angebote, die entsprechend der individuellen Interessen genutzt werden können. Solche Angebote sind z. B. Exkursionen zu ansonsten schwer zugänglichen Orten des ehemaligen Lagerkomplexes, Archivrecherchen zu ausgewählten Themen, Führungen durch ständige oder temporäre Ausstellungen wie zu den SS-Aufseherinnen in Ravensbrück oder die Auseinandersetzung mit künstlerischen Zeugnissen der Selbstbehauptung von Häftlingen. Meist beteiligen sich auch die Überlebenden daran und beantworten Fragen oder initiieren selbst thematische Angebote.

Durch die verschiedenen Perspektiven – wissenschaftlich, pädagogisch und lebensweltlich sowie über mehrere Generationen hinweg – entsteht ein gemeinsam gestaltetes Forum, das von einer außerordentlichen Lebendigkeit und Intensität geprägt ist.

 

Austausch und Dokumentieren

Alle Foren wurden in unterschiedlichen Formen durch Radiosendungen, Videoaufzeichnungen oder Fototagebücher dokumentiert und Videointerviews mit den Überlebenden erstellt. Eine Besonderheit stellen auch künstlerische Präsentationsformen dar, bei denen in Anwesenheit der und teils in Zusammenarbeit mit den Überlebenden szenische Lesungen, Kunstinstallationen, Theater- oder Musikperformances entstehen.

 

Nachhaltige Erfahrungen

Dieser selbst gestaltete, lebendige Umgang mit Geschichte und die für viele einmalige Erfahrung der Begegnung mit Zeitzeugen wirken häufig lange nach: Wieder zuhause werden in den Schulen Referate gehalten. Die Überlebenden erhalten Briefe oder E-Mails, mitunter über Jahre hinweg. Viele empfehlen das Generationenforum an Freunde oder sie kommen selbst wieder und bringen andere mit, denen sie begeistert von diesem einmaligen und außerordentlichen Projekt berichtet haben. Auch die Überlebenden empfinden diese Form der Erinnerungsarbeit als etwas Besonderes und lassen sich an diesem Termin im Jahr durch nichts davon abbringen, mit dabei zu sein.

 

Ein „Leuchtturm“ der
gedenkstättenpädagogischen Arbeit

Das „Ravensbrücker Generationenforum“ hat sich zu einem weit über den Ort hinaus bekannten „Leuchtturm“ der gedenkstättenpädagogischen Arbeit und einer gelungenen Kooperation der Dr. Hildegard Hansche Stiftung, der Pädagogischen Dienste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und der Internationalen Jugendbegegnungsstätte | Jugendherberge Ravensbrück entwickelt.


Video: 11. Ravensbrücker Generationenforum