Zum Leben
Hildegard
Hansches


Hildegard Hansche wurde am 12. Oktober 1896 in Mittenwalde (Brandenburg) geboren und verstarb am 23. November 1992 in Berlin.

 

Sie wuchs als viertes Kind eines Dachsteinfabrikanten auf. Durch den frühen Tod ihres Vaters war es der Familie nicht möglich, ihr eine höhere Schulausbildung oder gar ein Studium zu finanzieren.

 

Dennoch gelang es ihr, zunächst eine Ausbildung zur Lehrerin und direkt im Anschluss eine weitere zur staatlichen Fürsorgerin zu absolvieren sowie ein Diplom als Verwaltungs- und Sozialbeamtin abzulegen. Im Jahr 1924 durchlebte sie eine prägende Zeit als Köchin in einem Quäkerhaushalt im englischen Manchester. Nach ihrer Rückkehr holte sie 1925 das Abitur nach und schloss noch im selben Jahr an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Handelshochschule Mannheim ihr Diplom als Volkswirtin ab. Im Folgejahr promovierte sie mit einer Arbeit über Trusts in den USA. Um ihr Studium zu finanzieren, arbeitete sie währenddessen im sozialen und pädagogischen Bereich.

 

Zu dieser Zeit begann sie, sich durch ihren Eintritt in die SPD und die Gewerkschaft politisch zu engagieren und arbeitete bis zu ihrer Entlassung 1932 als Geschäftsführerin des Vaterländischen Frauenvereins des Roten Kreuzes. Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war sie als Lehrerin tätig und versuchte trotz widrigster Umstände, ihre Schülerinnen und Schüler im humanistischen Geist zu erziehen und ihnen einen kritischen Blick auf ihre Umwelt zu vermitteln. Sie wurde jedoch denunziert und für drei Jahre unter unmenschlichsten Bedingungen im Frauen-KZ Ravensbrück interniert.

 

Nach der Befreiung arbeitete Hildegard Hansche als Lehrerin, Rektorin und Schulrätin in Luckenwalde. 1948 folgte sie Eva Laubhardt, einer Freundin und ehemaligen Mitinternierten in Ravensbrück, nach Singen, wo sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1961 weiterhin als Lehrerin tätig war. Sie schloss sich der Friedensbewegung der 1970er und 1980er Jahre an und engagierte sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes.

 

Die Idee zur Gründung einer Stiftung beschäftigte Hildegard Hansche seit den 1970er Jahren. Sie sah darin ihren Beitrag, neuen Erscheinungen der Intoleranz entgegenzuwirken und insbesondere die Beschäftigung Jugendlicher mit der Realität des Nationalsozialismus, seiner Ursachen und Folgen zu befördern.

 

Zur ersten wichtigen Aufgabe der 1994 gegründeten Dr. Hildegard Hansche Stiftung wurde die Erforschung der Biographie ihrer Stifterin. Als Quellenkorpus stand dafür vor allem ihr Nachlass zur Verfügung, der in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten verwahrt wird.

Lesen Sie hier die 1996 erschienene Publikation.

 

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